Man hört ihn, bevor man ihn sieht.
Ein leises Knistern. Das Feuer im Kamin, das seine eigene Sprache spricht – mal ein leises Flüstern, mal ein zufriedenes Seufzen, immer eine Einladung. Und dann öffnet man die Tür, und der Raum nimmt einen in Empfang wie ein alter Freund, der schon auf einen gewartet hat.
Die Decke ist hoch – so hoch, dass das Licht der Kerzen sie kaum erreicht und der Stuck oben im Halbdunkel seine Ornamente träumt. Ranken, Blüten, Gesichter die lächeln oder ernst schauen, je nachdem von wo man sie betrachtet. Der Boden aus Holz, gebohnert und glänzend, wirft das Flackern des Feuers zurück wie ein ruhiger See das letzte Abendlicht. Man möchte ihn nicht betreten. Man tut es trotzdem – und jeder Schritt klingt wie eine leise Bestätigung: Hier bist du richtig.
Nicolys sitzt in ihrem Pfauensessel.
Sie sitzt immer dort, wenn das Feuer brennt. Den Sessel hat sie sich irgendwann angeeignet, still und ohne grosse Worte, und niemand hat je widersprochen – denn Nicolys im Pfauensessel am Feuer, ein Buch auf den Knien, ist ein Bild das so natürlich wirkt wie der Kamin selbst. Manchmal schaut sie auf. Manchmal lächelt sie über etwas das sie gerade gelesen hat, ohne es zu teilen – und das ist auch gut so.
Dann ist da Lucien.
Lucien, der nie lange stillsitzen kann, wenn Menschen um ihn herum sind. Er steht auf, schiebt die Möbel ein wenig beiseite – mit einer Geste die sagt: Gebt mir Platz, ich habe etwas für euch – und dann beginnt die Magie. Eine Münze, die verschwindet. Eine Karte, die erscheint wo sie nicht sein sollte. Ein Tuch, das sich in Nichts auflöst und drei Atemzüge später aus Nicolys' Buch fällt. Das kleine Publikum lacht, staunt, lehnt sich vor. Lucien verbeugt sich mit einem Lächeln das verrät, dass er sich selbst dabei am meisten freut.
Später, wenn die Magie getan und der Boden wieder frei ist, wird getanzt.
Nicht immer, nicht mit Ankündigung – aber manchmal, wenn die Musik stimmt und der Wein die Beine leichter macht, steht jemand auf und die anderen folgen. Der gebohnte Boden gibt nach, federt leise, trägt. Hier hat dieser Raum seinen eigenen Rhythmus, den man nicht erklären kann, den man nur spüren kann wenn man mittendrin ist.
Auf dem Tisch: ein Glas Wein. Dunkel, nach Kirschen und altem Holz. Oder ein Absinth – jener grünliche, geheimnisvolle Geist in seinem Glas, der jeden Schluck mit einer kleinen Warnung begleitet: Denk, was du willst. Fühle, was du willst. Hier ist niemand, der dich daran hindert.
Möge der Geist frei sein.
Freude kommt hier als Gast und bleibt als Bewohner. Frieden sitzt in der Ecke nahe dem Kamin und rührt sich nicht vom Fleck. Und wer einmal im Salon von Maison Bonheur gesessen hat, am Feuer, mit einem Glas in der Hand und Menschen die er liebt um sich – der weiss, dass es Orte gibt, die einen nicht vergessen.
Auch wenn man selbst längst gegangen ist.